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Russen wollen Zinsen umschulden · 3 10 2009 - 11:08

Wahrscheinlich noch im Juli wird ein Treffen Rußlands mit seinen westlichen Gläubigerländern (“Pariser Club”) stattfinden. Abhängig ist der Termin von der Klärung noch offener Fragen zwischen Ruß-land und dem IWF, der einen Kredit von 4,8 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt hat. Bei den folgenden Verhandlungen mit dem Pariser Club geht es um den dringenden Wunsch Moskaus, die überfälligen Zinsen auf ein Jahr und vermutlich auch die in den nächsten sechs bis zwölf Monaten fällig werdenden umzuschulden.

Bleibt es dabei, wäre das für die Gläubiger erfreulich. “Daraus ist abzuleiten, daß zumindest vorderhand das Thema Schuldenstreichung vom Tisch ist”, sagte Rudolf Scholten, Chef des staatlichen Exportkreditversicherers Kontrollbank, den SN. Im Gefolge drohten auch keine Verluste aus dem Rußland-Obligo.

Rußland schuldet Österreich aus staatlich garantierten Exportkrediten rund 36 Mrd. S. Etwa 34 Mrd. S stammen aus der früheren UdSSR, wovon 31,1 Mrd. S langfristig umgeschuldet wurden. Seit Herbst 1998 ist Moskau mit den Zinsen für diese Kredite im Verzug, bisher mit rund 1,6 Mrd. S (116,2 Mill. Euro). Salzburger Nachrichten

Russe siegt in Schwarzach · 3 10 2009 - 11:07

Spannung bis zuletzt gab es beim Schwarzacher Schach Open. Der russische Großmeister Andrei Shchekachev setzte sich schließlich mit einem Sieg gegen Hrvoje Jurkovic (Kro) an die Spitze im Endklassement. Ilia Balinov aus Wien remisierte nach über sechsstündigem Kampf gegen Janis Kovans (Let) und wurde Zweiter. Vladimir Burkin (Rus), die Nummer eins des Turniers, musste sich mit Rang drei begnügen. B-Turnier: 1. Wolfgang Schweiger (Zell), 2. Gabrielle Renner (D), 3. Mark van Essen (NL). Salzburger Nachrichten

Russen wuschen Geld bei BA weiß · 3 10 2009 - 11:06

Osteuropäische und russische Firmen dürften Konten der Bank Austria (BA) zur Geldwäsche genutzt haben. Das weißgewaschene Geld soll dann an eine Bank in New York weitergeleitet worden sein. Ein Sprecher der BA bestätigte, dass die verdächtigen Konten bereits vor Monaten gesperrt worden seien. Bei den Beträgen handle es sich um “Promille” der Gesamtsumme von geschätzten 10 Mrd. Dollar (130,8 Mrd. S/9,5 Mrd. Euro). Die BA sei bereits im Frühjahr 1998 auf verdächtige Transaktionen aufmerksam geworden und habe die EDOK über diese Konten informiert. Salzburger Nachrichten

Die Gefahr aus dem Dunkeln · 3 10 2009 - 11:04

Wenn am kommenden Dienstag in Wien der Prozeß um den Mord am georgischen Geschäftsmann David Sanikidze beginnt, meint die Staatsanwaltschaft zum ersten Mal vor einem österreichschen Gericht quasi exemplarisch Einblicke in die internationale organisierte Kriminalität und ihre Umtriebe geben zu können.

Denn für die Anklage (vertreten durch Staatsanwältin Theresia Schuhmeister-Schmatral) ist das, was am Abend des 11. Juli 1996 in der Wiener Annagasse geschah, Eskalation des “Krieges” zwischen zwei mafia-ähnlichen Organisationen. Der 50jährige Sanikidze, Gerüchten zufolge einflußreicher “Pate” eines derartigen “Clans”, war durch zwei Schüsse förmlich liquidiert worden. Seine 42-jährige Begleiterin wurde angeschossen und schwer verletzt. Mögliches Motiv: Ein Racheakt durch eine gegnerische Organisation. Und: Es könnte um viel Geld gegangen sein.

Der 22jährige Akaki J. wird nun beschuldigt, den Geschäftsmann mit einer Pistole kaltblütig erschossen zu haben. Der 23jährige Georgi O. soll den Anschlag mit seiner Schußwaffe abgesichert haben. Neben den beiden mutmaßlichen Auftragskillern (sie sind als Mittäter beim Mord angeklagt) muß sich noch als dritter Beschuldigter Schukri B. verantworten: Ihm wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Er soll für die entsprechende “Infrastruktur” gesorgt haben.

Der Prozeß unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ist für 15 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte am 20. Oktober erfolgen. Die Staatsanwaltschaft hat rund 200 Zeugen beantragt. Die nicht geständigen Angeklagten werden durch sechs Verteidiger vertreten: Rudolf Mayer, Gunther Gahleitner, Peter Philipp, Christian Werner, Elmar Kresbach und einen deutschen Anwalt.

Von Verbrechen einer “Russen-Mafia” war in Österreich ja schon wiederholt die Rede: Allerdings eher in Form einer ernstzunehmenden Bedrohung als im Zusammenhang mit einem konkreten Nachweis. So hieß es etwa im Frühjahr 1996 bei einem Indizienprozeß in Wien, die Bluttat an einem russischen Geschäftsmann – er war von einem extra eingeflogenen und später entkommenen Killer durch zwölf Schüsse aus einer MP ermordet worden – sei “im Dunstkreis der Russen-Mafia” geschehen. Zwei der Beteiligung angeklagte Männer wurden zu lebenslanger Haft, die beiden anderen zu zehn bzw. 18 Jahren Haft verurteilt. Auch im Zusammenhang mit der Ermordung eines 43jährigen Juweliers im Mai d. J. in einem Geschäft am Wiener Graben durch einen angesetzten Kopfschuß wurde in Richtung “Russen-Mafia” ermittelt. Bis jetzt hat man keine triftige Spur.

Erst kürzlich bildete die “organisierte Kriminalität” (OK) ein Thema beim Europäischen Forum Alpbach 1998. Dort erläuterte der Chef der Europol, Jürgen Storbeck, die Bedrohung durch die “OK”. Er erklärte, daß noch vor kurzem Uneinigkeit darüber geherrscht habe, was man als organisierte Kriminalität bezeichnen müsse. Inzwischen bestehe zumindest Einigkeit über einige bedeutsame Merkmale von OK:

Man verstehe darunter einen auf gewisse Dauer angelegten Zusammenschluß von Personen; das Streben nach finanziellen bzw. wirtschaftlichen Vorteilen oder Macht und Einfluß unter Verwendung illegaler Methoden und Mittel; Abschottung nach außen, Schutz und Disziplinierung gegenüber Mitgliedern nach innen.

OK entwickle sich quasi im Dunkeln, für Staat, Gesellschaft und Strafverfolgungsbehörden kaum erkennbar. Gerade bei der Massenkriminalität mit geringer Aufklärungsquote könne nur selten gesagt werden, ob ein Taschendiebstahl oder ein Einbruch durch einen Einzeltäter oder das Mitglied einer kriminellen Organisation begangen wurde. Nur wenn es im Rahmen von Verteilungskämpfen, beim Wettbewerb um illegale Märkte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen komme, werde OK für die breite Öffentlichkeit erkennbar.

Einige Gebiete des Verbrechens seien in besonderer Weise durch OK gekennzeichnet: Die Produktion von und der Handel mit illegalen Gütern, vor allem Rauschgift und Waffen. Und zum zweiten: Prostitution, Schleuserkriminalität oder das Angebot von Werk- und Dienstleistungen unter illegalen Bedingungen, wie man sie im Bereich der Wirtschaftskriminalität kenne.

OK versuche nicht nur illegale Märkte zu übernehmen, sondern auch ins legale Wirtschaftsleben mit illegalem Geld und z. T. auch mit kriminellen Methoden einzudringen. An Organisationsformen unterscheide man auf höchster Ebene den “kriminellen Mischkonzern” (z. B. Mafia, Cosa Nostra), die “branchenorientierten” Organisationen im Drogenhandel, bei Kfz-Verschiebung und Schleuserunwesen, und drittens Organisationen mit häufig wechselnder Mitgliedschaft und anlaßbezogenen Verbrechen. Zur letzteren Gruppe gehörten u. a. die vom russischen Innenministerium geschätzten 4000 Organisationen im Bereich der ehemaligen Sowjetunion, von denen ein großer Prozentsatz in die westlichen Staaten dränge und deren Struktur sich mehr und mehr verfestige.

Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Michael Sika, schätzt den Anteil der OK an der Kriminalitätsbelastung in Österreich auf 30 bis 40 Prozent, wobei Deliktsbereiche wie Schlepperei und Suchtgift zu 10027777775710rganisiert erfolgten. Der Anteil der “Russen-Mafia” an in Österreich verübten Straftaten werde wesentlich überschätzt, wenn auch deren Beteiligung etwa auf dem Gebiet der Geldwäsche relativ hoch sei.

Sika plädiert im Zusammenhang mit dem Begriff “organisierte Kriminalität” für eine neue Blickweise: “Man spricht immer von internationaler OK und stellt sich das als mafiose Verbindung vor. Von der Vorstellung einer dauerhaften Verbindung muß man abrücken. In der OK sind auch kurzfristige Verbindungen möglich.” Überdies solle man die OK nicht bloß als internationales Phänomen betrachten, sie könne auch im eigenen Land existieren. “Z. B. bei kriminellen Vorgehen der Bauwirtschaft kann man zu dem Schluß kommen, daß hier organisiert vorgegangen wird. Man sollte künftig statt von OK besser von professioneller Kriminalität sprechen.”

Neue Straftatbestände und mit Grundrechtsbeschränkung verbundene Eingriffsbefugnisse für die Polizei (“Lauschangriff”), anonyme Zeugen und Spitzel: Der Wiener Strafrechtsprofessor Helmut Fuchs zeigte auf – ebenfalls beim Forum Alpbach -, wie die OK indirekt an Grundfesten unsere Gesellschaft noch in einem anderen Bereich rüttelt:

“Unter dem Leitgedanken der Bekämpfung organisierter Kriminalität sind Teile unserer Rechtsordnung grundlegend umgestaltet worden. Dem grundsätzlichen Abbau des Staates und der Deregulierung in unserer gegenwärtigen Gesellschaft stehen ein Ausbau des Strafrechtes und eine Regulierung durch Strafrecht gegenüber. Was ist das für ein Strafrecht, das ausgebaut wird? Es ist ein Strafrecht, das von einem Abbau der in Aufklärung und Liberalismus entwickelten Rechtsprinzipien gekennzeichnet ist.” Salzburger Nachrichten

Mord an einem "Paten" in Wien Anklage: Ein Krieg der "Clans" · 3 10 2009 - 11:01

“Sie werden sagen: Um Gottes Willen, in welchem Land sind wir? Österreich galt ja bis vor kurzem noch als eines der sichersten Länder. Haben wir das notwendig, daß die Russen hier ihre Kämpfe durchführen?” Ausgerechnet einem Verteidiger war es vorbehalten, das auszusprechen, was derzeit viele Österreicher denken.

Von Ronald Escher

WIEN. Aber natürlich ging es Verteidiger Gunther Gahleitner in erster Linie nicht darum, sich vor dem Wiener Geschworenengericht unter Vorsitz von Richter Wilhelm Mende zur “vox populi” zu machen, sondern auch im Sinne seiner Anwaltskollegen Rudolf Mayer, Peter Philipp, Christian Werner und Elmar Kresbach ein “faires Verfahren” anzumahnen. Die Advokaten sehen nämlich in dem, was für Staatsanwältin Theresia Schuhmeister-Schmatral ein exemplarischer Fall von organisiertem Verbrechen nach Handschrift der Russenmafia ist, nur “Vermutungen und Schlußfolgerungen”.

Worauf die Anklägerin allerdings eine Karte zog, die sie für einen Trumpf hält: Die Behörden von acht Ländern hätten zu den Ermittlungen beigetragen, und sie seien zu gleichlautenden Ergebnissen gekommen.So also ist die Ausgangslage in dem spektakulären Mordprozeß, der am Dienstag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen – aber nur mit mäßigem Publikumsinteresse – begann und bis 20. Oktober dauern soll.

Auf der Anklagebank: Drei unauffällige junge Männer aus Georgien, von denen nur der Erstangeklagte, der 24jährige Akaki Javakhadze, angespannt wirkte. Ein Auftragskiller, so die Staatsanwältin, der auch anderswo wegen Mordes gesucht werde.

Javakhadze und auch der Zweitbeschuldigte, der 24jährige Georgi Oniani, seien Mitglieder des Clans der “Mkhedrioni” (schnelle Reiter). Schon seit Ende 1994 gab es laut Anklage kriegerische Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen georgischen bzw. russischen Mafia-Gruppierungen, wobei es primär um die Verbringung von unterschlagenen 15 Mill. US-Dollar zum Nachteil georgischer Banken gegangen sei. Denn jene Organisation, die das Geld für sich beanspruchte, habe sich durch eine rivalisierende Gruppe (“Clan”), die die Summe nach New York “umgeleitet” habe, getäuscht gesehen.

Und zu dieser anderen Gruppe sei der 50jährige David Sanikidse gezählt worden. Die Staatsanwältin: “Er galt als seriöser Geschäftsmann, aber er war einer der Paten. Außen hui, innen pfui.” Sanikidse war nicht nur Betreiber einer georgischen Fluggesellschaft, sondern auch Geschäftsführer einer österreichischen ABV Leasing und Hotelinvest GmbH, die an vier Hotels in Rußland bzw. Georgien beteiligt gewesen sei. Diese Gesellschaft habe, so die Anklage, Schutzgelder – deklariert als Versicherung – bezahlt: Millionen auf ein Schweizer Konto. Zeichnungsberechtigt: Sanikidse.

Die “umgeleiteten” 15 Mill. Dollar seien schließlich der Grund gewesen, daß der “Rat der Diebe im Gesetz” – eine Art Gipfeltreffen der Paten – den Tod Sanikidses beschlossen habe. Und zu diesem Zweck seien die beiden Angeklagten mit falschen Papieren nach Österreich gereist. Hier hätten sie Kontakt mit dem Drittbeschuldigten, dem 24jährigen Schukri Burtschuladze, aufgenommen: Er habe in der Folge für die Organisation rund um die Bluttat gesorgt. Er sei es auch gewesen, der am Abend des 11. Juli 1996 von einem Cafe aus beobachtet habe, wie Sanikidse und seine 42jährige georgische Freundin über den Wiener Stephansplatz in Richtung Annagasse gingen: Als sie in die Gasse einbogen, seien Javakhadze und Oniani schon dicht hinter ihnen gewesen. Der Erstgenannte habe die Opfer aus wenigen Zentimetern Entfernung durch Hüftschüsse niedergestreckt, dann Sanikidse durch einen Kopfschuß “liquidiert” und die Frau schwer verletzt, wobei auch persönliche Gründe (Rache) eine Rolle gespielt hätten. Javakhadze habe sodann die Pistole mit Schalldämpfer in einem Plastiksack, bedruckt mit der Freiheitsstatue in New York, nahe des Tatortes deponiert, während Oniani – der die Mordtat abgesichert habe – im Hausflur des benachbarten Casinos eine Tasche mit seiner MP und einem Dolch abgelegt habe. Das sei, so die Staatsanwältin, eine “Bekennung” mafioser Art gewesen: “Patsch, schaut’s her, wir haben gewonnen.”

Auf dem Plastiksack fand man die Fingerabdrücke Javakhadzes. Das Abstellen der Tasche im Casino-Eingang wurde von einer Videokamera erfaßt. Bei dem Mann auf dem Video handelt es sich laut Gutachten “wahrscheinlich” um Oniani. Die beiden wurden später in Budapest gefaßt, als sie mit Geld nur so um sich warfen.

Die Verteidiger suchten dagegen Zweifel zu wecken: Man habe den Angeklagten, die sich weder der Mittäter- bzw. Beitragstäterschaft zum Mord noch der Teilnahme an einer kriminellen Organisation schuldig bekennen, die Beweisstücke “untergejubelt”. Bekennung? “Absurd.” 13 Zeugen der Bluttat hätten die Angeklagten nicht identifiziert. Salzburger Nachrichten

Haban-Mord: Russe gilt als entlastet · 3 10 2009 - 11:00

Vladimir Alexandrovich Gurchenkov dürfte “mit größter Wahrscheinlichkeit” als Mörder von Siegfried Goluch, Geschäftsführer des Juweliers Haban am Wiener Graben, ausscheiden. Das berichtet die Tageszeitung “Kurier” in ihrer Mittwoch-Ausgabe. Staatsanwältin Michaela Schnell, die mit drei Ermittlern nach Moskau gereist war, habe bereits die sofortige Aufhebung des Haftbefehls gegen Gurchenkov im Landesgericht Wien beantragt.

Grund dafür seien die Fingerabdrücke des Russen, der Dienstag vormittag mit den Kriminalisten zusammengetroffen ist. Sie stimmen laut “Kurier” nicht mit jenen “Prints” überein, die man aus Prag übermittelt bekommen hatte.

Nachdem ein Spezialist des Wiener Erkennungsdienstes fast alle Zweifel ausgeräumt habe, gibt es für die Fahnder zwei Möglichkeiten. Gurchenkov hat mit der spektakulären Bluttat am Graben wirklich absolut nichts zu tun. Oder: Den Beamten in Prag ist bei der erkennungsdienstlichen Behandlung ein Fehler unterlaufen, was man aber nahezu gänzlich ausschließt. Gurchenkov jedenfalls habe zum Abschluß seiner freiwilligen Einvernahme angeboten, dem Gericht ein Foto zu schicken, das ihn so zeigt, wie er vor wenigen Jahren noch ausgesehen hat. Salzburger Nachrichten

Rußland im Würgegriff der Roten Paten · 3 10 2009 - 10:55

Auch der berüchtigte Sergej Michailow, genannt “Michas”, hatte bis zu seiner Verhaftung in der Schweiz im Oktober 1996 sein Domizil in der Bundeshauptstadt – samt Luxuslimousine und scheinbar unbegrenzten finanziellen Mitteln. Ebenso seine nicht minder gerissenen Gangsterfreunde Viktor Averin und der mittlerweile in den USA festgenommene Vyacheslav Kirilovich Ivankov.

“Wien dient der russischen Mafia vor allem als Platz für Geldwäsche und große Zusammenkünfte”, betont Tshekotschihin und erwähnt ein Treffen der Creme de la creme der russischen Mafia aus dem Jahr 1994. Damals hatten sich im Wiener Hotel Marriot 20 Paten versammelt und u. a. die Liquidierung der “Schwarzen”, das sind die Mafiabanden aus dem Kaukasus, beschlossen.

Entführung, Prostitution, Autoschieberei, der Handel mit Drogen, Waffen und atomaren Substanzen sowie Schutzgelderpressung gehören zum Repertoire der Verbrecherkartelle. Nicht einmal ein kleiner Würstelstandbesitzer entgehe den Kassieren der Mafia, betont Tshekotschihin. Wie kein anderes Syndikat hätten sich die Roten Paten zudem auf den großangelegten Handel mit der Ware Mensch, sprich illegale Immigration, spezialisiert.

Die Auseinandersetzung mit diesen Delikten ist für den Duma-Abgeordneten bereits Routine. “Dafür haben wir genügend Experten.” Viel mehr Sorgen bereitet ihm eine ganz andere Entwicklung: “Ich fürchte nicht die Mafia auf der Straße, sondern die in den Banken.” Denn seiner Überzeugung nach wollen die russischen Mafiosi nur eines: ins legale Geschäft kommen. Das ist ihnen bereits geglückt, munter treiben die “ehrenwerten Handelsmänner” in den Strukturen des ganz normalen Wirtschaftslebens dunkle Geschäfte.

Unter Berufung auf Fachleute schätzt Tshekotschihin, daß in den vergangenen drei bis vier Jahren russisches Geld im Wert von umgerechnet bis zu 5000 Mrd. S gewaschen wurde, ein sehr großer Teil davon in Wien. Ein Beispiel aus dem Munde von Tshekotschihin mag genügen: Vor zwei Jahren habe ein russischer Bankdirektor in nur einem Tag 320 Mill. S durch eine österreichische Bank legalisiert. Verdient habe der Russe das Geld mit der Fälschung von Bankpapieren. Er überwies die Summe an eine österreichische Scheinfirma, die – welch ein Zufall – der Frau des Russen gehörte.

Die Organisierte Kriminalität kontrolliere bereits 40.000 Unternehmen und zwischen 70 und 90-1073742904er russischen Banken, betont der Parlamentarier. “Das ist ein sehr ernstes Problem, denn Geld bedeutet Macht und bestimmt, wer in Rußland an die Regierung kommt und was bei uns in Zukunft passieren wird.”

Rezepte, wie der großangelegten Geldwäsche beizukommen ist, hat in Rußland niemand, trotz der engen Zusammenarbeit mit westlichen Polizeibehörden. “Das ist für uns etwas völlig Neues. Es gibt keine Gesetze, die regeln, was wir mit den Bankern machen dürfen und was nicht. Derzeit können wir der Finanzmafia nicht Herr werden.”

Glaubt man dem italienischen “Corriere della Sera”, sind zumindest nicht alle Unternehmungen der Finanzmafia von Erfolg gekrönt. Nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Zeitung hat die Finanzkrise in Rußland auch vor der Mafia nicht haltgemacht. Die “Geschäftsleute” des organisierten Verbrechens sollen sich beim Einstieg in Staatsanleihen kräftig verspekuliert haben. Dies berichtete die Zeitung im Zusammenhang mit einem “Krisengipfel” von 109 Mafia-Spitzen aus allen Teilen der früheren Sowjetunion, der dieser Tage in Odessa stattfand.

Fragt man Tshekotschihin nach dem Unterschied zwischen der russischen und der italienischen Mafia, erhält man eine kurze Antwort: “Die russische Mafia ist intelligenter.” Und das ist mit ein Grund, warum sich die internationalen Polizeibehörden an ihr die Zähne ausbeißen. Den Mafiafürsten haben sich nicht nur sozial abgestürzte Exmilitärs als Berufskiller anschlossen, sondern auch ehrgeizige Wirtschaftsmanager, die oft an den besten Hochschulen der Welt ausgebildet wurden.

Jene, die den Verbrecher-Clans das Handwerk legen sollten, packeln kräftig mit. Ein großer Teil der Moskauer Miliz (Polizei) und der Nachfolge-Organisationen des KGB ist korrupt bis in die Zehenspitzen. Wie viele es sind? Tshekotschihin will sich auf keine genaue Zahl einlassen: “Viele”. Was helfen da die wenigen, die trotz verlockender Angebote eisern bleiben? “Es gibt auch ehrliche Polizisten, die für sehr wenig Lohn Tag und Nacht arbeiten.”

Tshekotschihin erwähnt in diesem Zusammenhang einen 27jährigen Steuerfahnder aus Moskau. Kärgliche 7500 S verdient er im Monat. Mit 2,5 Millionen S hat die Mafia versucht, ihn zu kaufen. Er lehnte ab. Dennoch, gerade hoffnungsfroh stimmt das Resumee Tshekotschihins nicht: “Die Mafia ist in Rußland ein Teil des Geschäfts. Wir müssen ihr in unserem Leben einen Platz einräumen – denn die Mafia ist überall.” Salzburger Nachrichten

Zahlen Russen Zinsen? · 3 10 2009 - 10:52

Morgen, Mittwoch, wird die nächste russische Zinszahlung an Österreich fällig. Ob die rund 300 Mill. S tatsächlich bei der Oesterreichischen Kontrollbank eintreffen, sei noch nicht abzusehen, sagte OeKB-Vorstand Johannes Attems am Rande einer Pressekonferenz. Auch im Finanzministerium gibt man sich angesichts der politischen Turbulenzen in Rußland vorsichtig, das Zahlungsverhalten der Russen sei “gegenwärtig nicht erkennbar”. Insgesamt müßte Rußland bis Jahresende knapp 1 Mrd. S zahlen. Salzburger Nachrichten

Haban-Mord: Verdächtiger in Münchener Hotelgästebuch · 3 10 2009 - 10:49

“Münchner Gschichten” oder hieb- und stichfestes Alibi? Diese Frage zu dem vom Hauptverdächtigen im Wiener Juweliermord angebotenen Alibi, wollte man am Mittwoch im Sicherheitsbüro nicht definitiv beantworten. Wladimir Alexandrowitsch Gurchenkov hatte, wie berichtet, über seine Wiener Anwälte vorgebracht, sich zum Zeitpunkt des Mordes an dem Haban-Geschäftsführer Siegfried Goluch in München aufgehalten zu haben.

Zwei Beamte des Wiener Sicherheitsbüros und ein EDOK-Beamter ermitteln in Bayern gemeinsam mit den deutschen Kriminalisten. Sicherheitsbüro-Chef Max Edelbacher zu den SN: Wir können derzeit weder sagen, daß das Alibi stimmt, noch daß es nicht stimmt.” Die Ermittlungen liefen “relativ mühsam”, weil noch nicht alle Personen gefunden worden seien, die damals in dem Hotel, in dem Gurchenkov abgestiegen sein soll, Dienst hatten. Die Wiener Beamten werden deshalb einen Tag länger als geplant in Bayern bleiben.

Einen Schreibfehler im Gästebuch des Münchener Sheraton-Hotels, in dem Gurchenkov am Tag der Tat (9. Mai) gewohnt und gefrühstückt haben soll – sein Name soll richtig, das Geburtsdatum falsch angegeben sein – will Edelbacher nicht überbewerten, “wenn man weiß, wie schlampig in Hotels oft eingetragen wird.”

Der dreitägige Aufenthalt Gurchenkovs in einer Klinik am Bodensee wurde jedenfalls bestätigt. Der Wert dieses Alibis hält sich freilich in Grenzen: Der Russe hat in der Klinik bereits am 8. Mai, also dem Tag vor dem Wiener Mord, “ausgecheckt”.

Zu Meldungen, nach denen das Mordopfer angeblich bei einem privaten Diamantengeschäft mit den Russen eine Million Dollar schuldig geblieben sein soll, heißt es im Sicherheitsbüro: “Die meisten Aussagen beschreiben Goluch als korrekten hochanständigen Menschen, dann gibt es auch diese Schattengerüchte, die können wir nicht bestätigen.” Salzburger Nachrichten

Haban-Mord: Begegnung auf "diplomatischem" Boden? · 3 10 2009 - 10:39

Nach “mühsamen” und nur bedingt ergiebigen Alibi-Ermittlungen in München könnte die nächste Reise die Ermittler im Haban-Mordfall nach Moskau führen. Beamte des Wiener Sicherheitsbüros besprachen am Donnerstag mit den Anwälten Wladimir Gurchenkovs, Peter Philipp und Rudolf Mayer, eine Begegnung mit dem tatverdächtigen Russen in einer österreichischen Vertretungsbehörde in Moskau.

“Eine von vielen möglichen Varianten”, kühlte Anwalt Peter Phillip im Gespräch mit den SN das Reisefieber ab. “Man kann es auch ganz anders machen”, meinte der Anwalt – etwa über Fingerabdrücke, die bewiesen, daß der Mann auf den von den Anwälten vorgelegten Bildern tatsächlich Gurchenkov sei. Aus diesen neuen Bildern gehe hervor, daß Gurchenkov heute “komplett anders aussieht”, als auf den drei Jahre alten Bildern, über die er als Verdächtiger identifiziert worden sei. Salzburger Nachrichten